Beat Bachmann

Vor der Ernte

Der Sommer scheint noch nicht vorbei, die sonnigen Septembertage sind eine Freude. Aber die Tage werden kürzer, die Nächte kühler. Und die Trauben scheinen reif und bereit für die Ernte.

Das Rebjahr 2023 war nicht einfach. Fast drei Monate, vom 20. April bis gegen Ende Juli, bestimmten instabile Flach- oder Tiefdruck-Verhältnisse das Wetter. Warme Tage mit Schauern oder Gewitter an fast jedem zweiten Tag liessen die Vegetation im Rebberg buchstäblich explodieren. Noch nie musste ich in so kurzer Zeit derart oft Fahrbahnen, Böschungen, Unterstockbereiche mähen und die Reben gipfeln (zurückschneiden). Und natürlich führten die nassen Monate Mai, Juni und Juli auch zu einem starken Krankheitsdruck bei den Reben. Die Pflanzenschutzmassnahmen gegen Oidium (Echter Mehltau) vor allem im Rebberg Secch/Chioso (Merlot), etwas weniger im Borghirolo (Gewürztraminer) und überall gegen Peronospora (Falscher Mehltau) waren anspruchsvoll. Ich bin froh, die rauben einigermassen gesund durch den diesjährigen Sommer gebracht zu haben.

2023 war auch das Ragusa-Jahr. Am 19. April beglückte mich Hia (als letzte von 6 Mutterschafen) mit zwei Lämmern: Ragusa und Ravenna. Nur wollte sie leider von der Erstgeborenen, Ragusa, nichts wissen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als das Kleine mit dem Schoppen aufzuziehen. In dieser Hinsicht völlig unerfahren, war es für mich eine Berg- und Talfahrt, mit anfänglich wenig Schlaf, Improvisation und viel Zeit, die ich für Ragusa aufwenden musste.

Ragusa dankt mir das heute mit einer grossen Zutraulichkeit, ja einer Anhänglichkeit, was bei meiner speziellen, sehr scheuen Schafrasse (Heidschnucken) aussergewöhnlich ist. Inzwischen ist aus dem kleinen, schwachen Lämmlein eine hübsche junge Dame geworden und sie begleitet mich immer noch gerne bei meinen Arbeiten im Rebberg.

An der diesjährigen Wine-Trophy in Zürich, einer Prämierung europäischer Weine, wurden beide von mir eingereichten Weine ausgezeichnet. Der «UNO Barrique» 2020 mit Silber (88 Punkte) und der «TRE» 2021 mit Gold (89,2 Punkte). Damit konnte das letztjährige Ergebnis, als ich den «UNO Barrique» 2019 und den «DUE 2019» einreichte und beide mit Silber ausgezeichnet wurden (88 und 88.4 Punkte) übertroffen werden. Interessanterweise wurde der «UNO Barrique» in Zürich in beiden Jahren gleich bewertet (88 Punkte), während bei der zwei Monate früher stattfindenden Prämierung im Rahmen des Mondial du Merlot, wo nur Merlots oder Merlot-Cuvées beurteilt werden, der Jahrgang 2019 mit 89,6 Punkten (Gold) und der Jahrgang 2020 mit 88.4 Punkten (Silber) bewertet wurden.

Ich denke, dass sich hier sowohl die Tagesform der Weine wie auch der Tester, aber vor allem die (noch) fehlende Flaschenlagerung beim Jahrgang 2020 auf das Urteil ausgewirkt haben.

Letztes Jahr habe ich noch einmal einen «Mademoiselle Foch», einen Vino rosato gekeltert, dieses Mal als Cuvée aus Maréchal Foch und Merlot. Seine Aromatik sowohl in der Nase wie im Gaumen ist erneut überwältigend üppig. Damit unterscheidet er sich vom anderen Rosato, der aus Chambourcin-Trauben gekelterten «Mademoiselle». Bei dieser ist die Nase floral delikat und die Aromen werden über die feine Säure transportiert und getragen.

Zur Zeit sind noch alle Weine im Verkauf. «Sauvignon Blanc» 2022 und der «Mademoiselle Foch» 2022 werden jedoch bald ausverkauft sein.

Glücklicherweise kommen nun die diesjährigen Trauben in den Keller. Und auch dieses Jahr deutet alles wieder auf eine qualitativ gute Ernte hin.

Herzlich, Beat

Frühling im Rebberg

Die Tage sind zwar wieder länger, doch gestern blieb es den ganzen Tag trüb. Die Natur war wie in Watte eingepackt, feuchte Luftmassen trieben Nebel und Nieselregen an den Monte Lema. Doch das wenige Nass wird den grossen Vegetationsschub noch nicht auslösen, denn bereits heute trocknet ein frischer Nordwind den nächtlichen Regen und die morgendlichen Nebelschwaden in Kürze ab, vertreibt Nebel und Wolken und die Sonne übernimmt die Regie. Schon wärmen sich Eidechsen an der Märzen-Sonne oder jagen einander hinterher. Und Admiral, Zitronenfalter, Bläulinge teilen sich mit Bienen und anderen Insekten den Nektar der Frühlingsblüten.

Die Winterarbeit im Rebberg ist gemacht. Die letzten Wochen, beim Winterschnitt hatte jede Rebe meine ganze Aufmerksamkeit. Ich geniesse diese Zeit, in der ich mich jeder einzelnen Pflanze widmen kann. Dabei fühle ich mich ungestresst und als Teil der Natur. Das ist gut so, denn mit den nächsten, warmen Frühjahrsregen wird die Natur in ihrer unbändigen Kraft erwachen und mir wenig Zeit lassen. Bald bin ich wieder schneller unterwegs.

Kurz vor Weihnachten haben wir den UNO 2021, den UNO BARRIQUE 2020 und den TRE 2021 abgefüllt. Alle drei Weine gefallen mir ausserordentlich gut, nach nun bald vier Monaten in der Flasche haben sie auch den Abfüllstress abgelegt.

Ende April werden dann bereits die ersten Weine des Jahrgangs 2022 abgefüllt: Der SAUVIGNON BLANC und zwei Rosato, einen MADEMOISELLE FOCH (aus Maréchal Foch- und Merlot-Trauben) und einen MADEMOISELLE (wie 2021 aus Chambourcin-Trauben) gekeltert. Und dann wird auch der DUE 2020 abgefüllt. Er wird dann 24 Monate in den Barriques gereift sein. Auch darauf darf man sich freuen!

Ende Februar haben wir unsere letzte «Holzerwoche» abgeschlossen. Wir haben an 8 Tagen, teilweise mit 9 Helfern, das Dickicht oberhalb dem Rebberg Secch geräumt, vor allem Stechpalmen, Lorbeer, Hasel, alles verwachsen mit meterhohen Dornen und teilweise zugedeckt mit entwurzelten Bäumen (vor allem Eschen und Robinien) gerodet und gehackt. Nur wenige dicht stehende, kranke oder schon sturzgefährdete Bäume, alles Eschen, Ahorn oder Robinien, die in den letzten 50 Jahren auf den ursprünglich bewirtschafteten, terrassierten Flächen wuchsen, mussten noch gefällt werden. Jetzt ist der Hang wieder offen und ich rechne fest damit, dass der Mehltaudruck im Rebberg Secch zurück gehen wird.

An dieser Stelle möchte ich meinen Freunden, allen voran Mark, Ruedi, Jürg, meinen Brüdern Urs, Bruno und Alfons, Aurelio, meinem Sohn, aber auch den vielen, die nur ein oder zweimal dabei waren, herzlich für ihre Hilfe danken. Sie haben mich inzwischen teilweise mehr als 10 Jahre dabei unterstützt, aus dem vor Jahren «verlassenen» Land zwischen Beredino und La Costa wieder Kulturland zu schaffen.  Ihre Unterstützung hat mich motiviert, gab mir Kraft, das angestrebte Ziel zu erreichen. Die gemeinsamen Tage, Abende, bei Schnee, Regen, aber oft schönem Winterwetter, sind ein untrennbarer Teil meiner Erinnerungen geworden, den ich um nichts hergeben möchte. Vielen herzlichen Dank!

Nun freue ich mich auf das neue Weinjahr und eure Besuche hier in Sessa. Wie letztes Jahr werde ich am Wochenende der «Offenen Weinkeller», am 27. und 28. Mai 2023, auch meinen Weinkeller für Besuche öffnen.

Herzliche Grüsse

Beat

Die Trauben sind im Keller

Warme, sonnige Spätsommertage begleiteten uns auch dieses Jahr durch die Traubenernte. Bis auf den letzten Tag; bei der Lese des Chambourcin am 29. September wurden wir von einem Regenschauer überrascht. Wie in den Jahren 2015, 2017 und 2020 waren die Trauben ausserordentlich früh reif und erreichten dank gesundem Laub höchste Zuckerwerte. Zwar verursachte der Hagel vom 3. Juli 2022 in den Rebbergen Cavezze und Ronco starken Holz- und Laubschaden. Der enorme Stress führte bei diesen Reben zu physiologischen Störungen (Stiellähme, Traubenwelke, heterogene Reife der Beeren). Die Trauben wurden nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt, waren teilweise bitter im Geschmack, einzelne auch deutlich weniger süss. Diese galt es auszusondern. In diesen Lagen war die Lese anspruchsvoller als in den anderen, wenig betroffenen Rebbergen (Borghirolo, Chioso, Secch und Valle).

Meine mittlerweile erfahrenen Lesehelferinnen und -helfer haben auch dieses Jahr hervorragende Arbeit geleistet. Die Ernte ist nicht nur qualitativ, sondern – mit rund 9’600 Kilo – auch quantitativ eine Rekordernte. Vielen herzlichen Dank allen fleissigen Händen – nur ganz wenige Finger mussten verarztet werden.

In den Tagen vor und während der Merlot-Ernte herrschte sonniges Nordwindwetter, kühle Nächte und trockene und warme Tage. Perfekt, um den Trauben zur gewünschten Aromatik zu verhelfen. Ich freue mich jetzt schon auf die Merlot-Weine 2022.

Auch der Completer, der erstmals über 100 ° Oechsle erreichte, entwickelte seine typischen, nach Williamsbirnen und Mango schmeckenden Aromen. Gewürztraminer und Sauvignon Blanc waren schon vor dieser Nordwindphase geerntet worden, auch diese beiden gesund, wunderbar reif und mit ihrer typischen Frucht.

Nun sind die Weine im Keller. Die ersten Sorten sind bereits vergoren (Maréchal Foch, Cabernet Jura). Die meisten anderen in der zweiten, ruhigeren Phase der Gärung. Nur der Chambourcin ist noch stürmisch unterwegs.

Der Druck der letzten Tage ist auch bei mir einer erwartungsvollen Anspannung gewichen. Die schönen Herbsttage ziehen mich nach draussen, Böschungen sind von den wuchernden Brombeeren zu befreien, einzelne Rebberge ein letztes Mal im Unterstockbereich zu mähen. Und die Schafweiden sind von den bereits wieder drei bis vier Meter hohen Robinien, den Brombeeren, und den von den Schafen verschmähten Kermesbeeren sowie Stockausschlägen bei Eschen, Ahorn, Kastanien, Eichen zu befreien.

Aber auch die Maische braucht Pflege und Überwachung, und bald werden die roten Sorten gepresst und die Arbeit im Keller nimmt seinen Gang.

Herzlich
Beat

Sommer!

und Gold bei der Prämierung «Mondial du Merlot»

Die Rebenblüte ist abgeschlossen. Rund 10 Tage früher als letztes Jahr. Der Regen in der zweiten Hälfte April und im Mai sowie die warmen Temperaturen haben die Natur mit der nötigen Energie versorgt.

Bereits gegen Ende Mai begannen die frühen Sorten (Maréchal Foch, dann Cabernet Jura) zu blühen. Ab Anfang Juni öffneten sich die Blütenköpfchen auch bei den «Europäern» (Sauvignon Blanc, Gewürztraminer, Completer und Merlot). Das Wetter war ideal, keine Kälteeinbrüche, viel Sonne, Wind und ab und zu ein Gewitter, glücklicherweise ohne Sturm und Hagel.

Die Reben wachsen und sind teilweise bereits erbsengross. Eine frühe Ernte scheint sich abzuzeichnen.

Und wie immer um diese Jahreszeit, viel Arbeit im Rebberg. Nach dem Einschlaufen der Reben in die Einschlaufdrähte, ist nun erstmals dieses Jahr das Schneiden der überlangen Rebentriebe, wir sagen ihm «gipfeln» angesagt. Und immer wieder mähen, im Unterstockbereich, die Böschungen, Fahrgassen. Abwechslungsweise, damit die Nützlinge im Rebberg immer einen gedeckten Tisch vorfinden.

UNO BARRIQUE gewinnt Gold bei der Prämierung «Mondial du Merlot» 2022. Der einzige Wein, den ich im März bereits abgefüllt und für die diesjährige Jubiläums-Prämierung des Mondial du Merlot bereit und im Verkauf hatte, gewann auch gleich Gold. Das freut mich und gibt mir die erforderliche Motivation für die langen und heissen Arbeitstage im Rebberg.

Herzlich

Beat

Januar 2022

Ein neues Jahr! Die Tage sind noch kurz, der Frost hat die Natur im Griff. Auch die Reben ruhen und erholen sich vom vorangegangenen, schwierigen Vegetationsjahr 2021.

2021 stellte hohe Anforderungen. Ein zu Beginn sehr schneereicher Winter und daran anschliessende, kalte und trockene Monate Januar bis März 2021 waren zwar ideale Voraussetzungen für einen nicht zu frühen Austrieb der Reben und für weniger Schädlinge im Jahresverlauf. Da es auch in den üblicherweise regenreichen Monaten April und Mai mit einigen Nord- und Nordwest-Wetterlagen wenig regnete, blieb die Vegetation etwa 10 Tage hinter dem durchschnittlichen Stand der Vorjahre zurück.

Im Juni zeigten Merlot und sogar Cabernet Jura (eine pilzwiderstandsfähige Rebsorte) in der Lage Chioso/Secch erste Oidium-Symptome (Echter Mehltau). Diese Lage ergibt aufgrund der geologischen und hydrologischen Situation zwar wunderbare, aromatisch frische Weine, das Mikroklima ist aber leider wegen der nahen Bäume und des, dadurch bedingt, fehlenden Berg- und Talwindes oft warm und feucht.

Ein schlimmes Unwetter mit Hagelkörnern in Tennisballgrösse läutete am 8. Juli 2021 einen Wetterwechsel ein. Geschockt verharrten die Reben 10 Tage im nun beginnenden Regen. Bis am 4. August unterbrachen nur vier regenfreie Tage die Monotonie der Julitage. Das waren nun ideale Voraussetzungen für die Pilzsporen des falschen Mehltaus. Die Merlot-Rebstöcke im Valle zeigten als erste den Befall, kurze später folgten die 100 m höher gelegenen Reben im Borghirolo.

Obwohl ich nun auch synthetische Pflanzenschutzmittel einsetzte, weitete sich der Peronospora-Befall aus. Dies auch deshalb, weil ich die Reben nach dem Farbumschlag Mitte August nicht mehr behandeln durfte.

Die geschilderte Wettersituation führte auch dazu, dass sich die Reife weiter verzögerte. Nach einem schönen, aber nassen Monat September waren dann zwischen dem 24. September und dem 10. Oktober die ErntehelferInnen gefordert. Vor allem die Lese des Merlot war eine echte Herausforderung und es gebührt allen Mitarbeitenden für ihre Arbeit ein grosses Dankeschön.

Nun reift der Wein im Keller. Der biologische Säureabbau ist, mit einer Ausnahme, abgeschlossen. Die Qualität des Jungweins erfreut mich. Alle Weine haben leicht tiefere Säurehalte als in den beiden vorangegangenen Jahren, sie sind aromatisch und wiederum vielversprechend.

Glücklicherweise schätzen inzwischen viele Weinliebhaber meine Weine. Die schwierige Situation in der Gastronomie führte zu Beginn des letzten Jahres zwar dazu, dass diese Verkäufe ausblieben. Der Direktverkauf an Private entwickelte sich aber gut und so waren leider schon bald die Weissweine («tre» und «sauvignon blanc» sowie der «uno barrique», aber auch der erstmals produzierte Rosato («Mademoiselle Foch») ausverkauft.

Seit Anfang Dezember sind der «tre» 2020 sowie der «uno barrique» 2019 abgefüllt. Der «tre» 2020 unterscheidet sich deutlich vom Jahrgang 2019. Die mengenmässig schlechte Gewürztraminer- und Completer-Ernte 2020 führte zu einem anderen Mischverhältnis der drei Sorten (v.a. einem höheren Sauvignon Blanc-Anteil) und damit zu einem frischeren, knackigeren «tre» (obwohl er mit 13.4 % vol deutlich mehr Alkohol hat als der Vorjahreswein).

Der «uno barrique» ist schon jetzt weich und elegant, mit vielen aromatischen Nuancen. Wenn er sich in zwei, drei Monaten wieder «gefunden hat», wird er ein Genuss sein.

Daneben sind zur Zeit der «la brace» und der «chamboursin», beide 2018, im Verkauf. Beides schöne, sehr aromatische «PIWI»-Weine, die an der internationalen PIWI-Prämierung 2021 (nach den Jahrgängen 2017 im Vorjahr) erneut ausgezeichnet wurden («la brace» mit 89 Punkten und Silber, «chamboursin» mit 94 Punkten und Gold).

Da der (einfache) «uno» 2019 bereits und der «due» 2018 bald ausverkauft sind, ist die Abfüllung der Nachfolgejahrgänge dieser beiden Weine für Ende März 2022 geplant. Sicher werden dann auch die 2019er Jahrgänge des «la brace» und des «chamboursin» abgefüllt. Ob der «sauvignon blanc» 2021 dann auch schon abgefüllt werden kann, wird sich zeigen.

2022 habe ich meine Preise etwas angepasst. Die beiden roten Barrique-Weine «uno barrique» und «due» werden auf Fr. 28 erhöht.  Der «tre» auf Fr. 26. «uno», «chamboursin» und «sauvignon blanc» werden auf Fr. 20 angehoben. «la brace» und «mademoiselle» bleiben bei Fr. 18.

Der Abholrabatt beträgt neu Fr. 5 pro 6er Karton und ist damit also mengengestaffelt. Im Gegenzug wird für den Postversand ein Portoanteil von Fr. 5 pro Karton in Rechnung gestellt.

Immer noch in der Hoffnung auf eine Rückkehr zur alten Normalität – was aber immer unwahrscheinlicher scheint – wünsche ich allen viel Freude im 2022, ein gutes Immunsystem, und freue mich auf eure Besuche hier in Sessa.

Herzlich

Beat

Hoffnung

Nach bald einem Jahr «Corona» ist die Hoffnung gross, dass das Leben 2021 bald wieder «normal» wird. Nicht die neue Normalität, sondern die alte, jene, die bis vor einem Jahr galt.

Die wirtschaftlichen Folgen der Massnahmen sind unüberschaubar, die Lage u.a. in der Gastronomie ist desaströs. Die Kollateralschäden der Massnahmen steigen und übersteigen weltweit den sogenannten Nutzen mit Sicherheit. Davor warnt inzwischen sogar die WHO. Ich hoffe darum sehr, dass endlich auch kritische Stimmen zu den Massnahmen gehört werden, dass endlich auch Studien gelesen und gehört werden, welche die Bedeutung dieses Virus neu einordnen. Inzwischen ist so viel Angst und Verzerrung der Realität in der Bevölkerung angekommen, in «Neusprech» aufbereitet, dass mir klar ist: Es wird ein langer, schwieriger Weg zurück werden.

Ich kann mir nicht vorstellen, Wein, das Getränk, welches wie kein Zweites Lebensfreude symbolisiert, einer Gruppe ängstlich dreinblickender, maskierter Menschen vorzustellen, zu verkaufen. Darum hoffe ich auf die alte Normalität. Als wir Menschen offen aufeinander zugingen, die Begegnung keine Gefahr, sondern eine Bereicherung war, wir uns die Hände reichten, nicht Angst, sondern in erster Linie Zuneigung und Freude bei einer Begegnung empfanden.

Mit dieser Hoffnung arbeite ich, gegen Ende eines wieder einmal richtig schneereichen Winters im Rebberg. Winterschnitt ist angesagt, Instandstellen der Rebanlagen – die 50 cm Schnee Anfang Dezember haben die Anlagen in Mitleidenschaft gezogen.

Die nassen und kalten Tage habe ich meist im Keller verbracht. Die Rotweine 2018 und die Weissweine 2020 für die Abfüllung vorbereitet, den Jungwein belüftet und umgepumpt und nun in die Barriques abgefüllt. 2020 wird ein hervorragender Jahrgang, aromatisch, die Roten mit einer weichen und dichten Fülle, die Weissen exotisch fruchtig.

2020 wird es erstmals einen Rosé geben. Mit der Rebsorte Maréchal Foch, die in der von mir bisher gewählten Art als Rotwein gekeltert sehr farbintensiv (beim Maréchal Foch ist schon der Saft rot) und mit seinem typischen Aroma leider nur eine kleine Fangemeinde hatte, habe ich 2020 nun einen Rosé hergestellt. Einen Rosé mit einer immer noch stattlichen Farbe, mit wenig Restzucker (2,5 g/l) und einer blumigen Aromatik. Ein interessantes Ergebnis, ich bin sehr auf die Rückmeldungen meiner Kundschaft gespannt. «Mademoiselle Foch», ein Wein, der auch die Jugend ansprechen soll, und nach dem Namensgeber für die Rebsorte eine Lanze für die drei Töchter des Maréchal Ferdinand Foch bricht.

Neu abgefüllt werden gegen Ende Februar der «Sauvignon Blanc» und der «Mademoiselle Foch» beide 2020, der «uno» 2019 sowie der «due», der «brace» und der «Chamboursin» aus dem Jahr 2018. Die Merlot-Ernte 2018 war derart miserabel, dass es davon leider keinen «uno barrique» gibt. Aber glücklicherweise sind die Weine aus dem Jahr 2019 in den Holzfässern sehr vielversprechend unterwegs.

Herzlich
Beat

Die Blätter fallen

Die Trauben sind geerntet und im Keller verarbeitet. Der frische Wein hat noch Ecken und Kanten. Aber grosses Potenzial.

Bei ausserordentlich schönem Spätsommer-Wetter haben wir zwischen dem 11. September und dem 1. Oktober insgesamt knapp 7’000 kg Trauben geerntet. Das schöne und trockene Wetter hat zu reifen, gesunden und kleinbeerigen Trauben verholfen. Die Erntetage bei Sommertemperaturen und mit vielen HelferInnen waren ein Genuss. Vielen Dank für die Unterstützung.

Nun sind die Tage kürzer geworden. Die vergilbenden Blätter liefern die letzte Sonnenenergie in die Wurzeln der Rebstöcke. Die Monate Oktober und (vor allem) November ist Regenzeit hier im Malcantone. Jetzt kann es tagelang intensiv regnen, die Hügel sind Nebelverhangen und in den Häusern ist es dunkel.

Ideales Wetter, um im Keller zu arbeiten, den Jungwein zu pflegen und den älteren vor der Abfüllung den «letzten Schliff» zu geben. Endlich kann nun wieder ein «UNO», also ein «einfacher» Merlot, abgefüllt werden. Der Jahrgang 2019 wird voraussichtlich im Januar so weit sein. Man darf sich auf ihn freuen!

Gleichzeitig werde ich den «Chamboursin» 2018 abfüllen. Auch er ist eine Versprechung, geerntet mit 100 ° Oechsle, dürfte er den Jahrgang 2017 noch übertreffen, der bei Degustationen immer gut angekommen ist und bei meinen Kunden Anklang findet.

Der «DUE» 2017 wie auch der «Sauvignon Blanc» 2019 sind bald ausgetrunken. Die Folgejahre werden dann wohl im März abgefüllt. Vom Weinjahr 2018 wird es nur einen «DUE» geben, die Merlot-Ernte war derart klein (Hagel und Wildtierfrass), dass sich die Herstellung eines «UNO BARRIQUE» nicht lohnte.

Im Dezember beginnen dann auch die Winterarbeiten im Rebberg. Vorschneiden, Winterschnitt, Instandstellen der Rebanlagen. Der Wildschutzzaun ist zu kontrollieren und zu ergänzen oder zu erneuern. Hoffentlich bleibt dann noch Zeit, um ein wenig im Wald zu arbeiten.

An Brennholz für heimelige Wintertage am Kamin bei einem guten Glas Wein darf es schliesslich nicht fehlen.

Herzliche Grüsse
Beat

Artenvielfalt

Zirpende Grillen und Heuschrecken, Schmetterlinge in grosser Vielfalt, Vögel, die ihre frisch geschlüpften Jungen füttern und lauthals warnen, wenn die Nachbarskatze, ein Bussard oder eine Nebelkrähe kreisen.

Im Unterstockbereich frisch geschnittenes Gras duftet nach beginnendem Sommer. Der betörende orientalische Duft des jetzt blühenden, überall rankenden, verwilderten japanischen Geissblatts, im Wechsel mit dem herben Geruch des Feldthymian erinnern an die letzten Ferien.

Kurz nach Einbruch der Nacht beginnt ein ganz besonderes Spektakel: Leuchtkäfer fliegen blinkend durch die Rebberge, auf der Suche nach einer neuen Partnerin. Tausende von ihnen verwandeln die eben angebrochene Nacht in ein blinkendes Lichtermeer.

Etwas später schreit ein Fuchs. Vielleicht hat ihn der Wildschutzzaun elektrisiert? Jetzt ein Kauz, dann bellen Rehe. Kotspuren zeigen am Morgen, dass auch der Marder wieder seinen Rundgang gemacht hat, Löcher in den Rebberg-Terrassen, dass der Dachs auf der Suche nach Larven, vielleicht sogar Mäusen war.

Die kleinräumige Struktur meiner Rebberge mit vielen Zwischenräumen, Hecken, nahen Bäumen und die nachhaltige Bewirtschaftung mit gänzlichem Verzicht auf Insektizide und Herbizide bieten ein grosses Angebot an Futterpflanzen und Nektarquellen für Insekten und Schmetterlinge und sichern so den Singvögeln genügend gesunde Nahrung. Treten im Rebberg Schädlinge auf, stellen Nützlinge innert kurzer Zeit die gesunde Hamonie wieder her.

Die Monate Mai und Juni sind geprägt vom ungestümen Aufbruch in der Natur. Die ersten heissen Sommertage wechseln sich ab mit intensiven Gewitterphasen, in denen die kleinen Rinnsale oder die ausgetrockneten Gräben zu reissenden Wildbächen werden.

Jetzt ist diese Zeit, und sie ist wie immer schön und voller Leben. Ein Spaziergang durch den Rebberg würde sich lohnen, auch in der Nacht.

Herzlich,
Beat

Frühling 2020

Die Reben warten auf den ersten richtigen Frühlingsregen.

Wie im Vorjahr, sind auch dieses Jahr die ersten Monate des Jahres wieder äusserst trocken. Seite Anfang Jahr regnete es nur an 7 Tagen mehr als 1 mm, insgesamt fielen bis heute 90.6 mm Niederschlag. Seit ich meine Daten führe, ist das ein Minus-Rekord.

Aber es ist ein Glück. Bei den warmen Temperaturen hätten die Reben sonst viel zu früh ausgetrieben. Das fehlende Wasser hält den Austrieb zurück. Und verhindert so, dass die Triebe wie 2017 Mitte April, erfrieren.

Diesen Winter haben wir, die erfahrenen Männer der «Holzergruppe», Wald und Buschwerk oberhalb des neuen Rebbergs «Secch» gerodet (Beitragsbild). Nun hoffe ich, dass das Mikroklima in den beiden Rebbergen «Chioso» und «Secch» dank Berg- oder Talwind besser wird und so der Krankheitsdruck (vor allem echter Mehltau) nachlässt.

Seit Februar 2008 haben wir nun zusammen im Holz gearbeitet. Ungepflegte Randparzellen gerodet (2009 im Valle), vorher und danach im Borghirolo, Chioso und Secch. Das ganze Gebiet wäre heute Wald, der einzige alte Rebberg im Chioso, 1983 von Pierre Morandi angelegt, aufgegeben, weil er von allen vier Seiten mit Eschen und Robinien zugewachsen wäre. Es war eine gute Zeit, nicht immer so sonnig und warm wie in den letzten Jahren. Und wir hatten Glück. Keinen Unfall – nur Stromausfälle -, auch dank der vorsichtigen Arbeit des «Fällmeisters» Alfons.

Es war voraussichtlich das letzte Jahr im Holz. Vielen Dank allen guten Freunden, vorab dem harten Kern, der immer dabei war: Mark, Ruedi, meine Brüder Urs, Bruno und später auch Alfons, und mein Sohn Aurelio. Vielen Dank auch jenen, die erst später dazu stiessen oder mich vereinzelt unterstützten: Pedro, Jürg, Ernst, Alois, René, Gerry, Urs’ Söhne Laurin und Jeremias, oder Aurelios Freunde.

Wer weiss, vielleicht finde ich bis in einem Jahr eine Alternativveranstaltung?

Vor einem Monat haben wir den «UNO Barrique» 2017, den «DUE» 2017 und den «SAUVIGNON BLANC» 2019 abgefüllt. Jetzt haben sie sich wieder beruhigt, sie alle gefallen mir ausserordentlich.

Beim «UNO BARRIQUE» einem reinen Merlot, ist das Barrique etwas mehr im Hintergrund als beim 2016er. 2017 war sonniger und trockener, der Wein ist etwas dichter, kompakter und hat ein halbes Volumenprozent mehr Alkohol als im Vorjahr. Er hat eine schöne, fleischige Merlot-Aromatik. Eine Versprechung!

Auch der «DUE» 2017 ist etwas kräftiger als der so erfolgreiche «DUE» 2016, der letztes Jahr in Zürich an der Internationalen Weinprämierung zum besten Tessiner Rotwein gekürt wurde und am Grand Prix du Vin Suisse einer der sechs nominierten Weine der Kategorie «rote Cuvée» war und 91.2 Punkte erzielte. Er gefällt mir ebenfalls hervorragend, die Mischung aus Kastanien- und Eichenholz und die Kombination aus der Merlot- und Cabernet Sauvignon-Aromatik sind eine Gaumenfreude.  

Der im Stahltank ausgebaute «SAUVIGNON BLANC» 2019, mit 6.3 g gesamter Säure und 13 %o Alkohol praktisch analog dem 2018er, ist frisch und knackig und – obwohl die Reben erst im sechsten Jahr standen – schon mit der typischen Aromatik der Rebe ausgestattet. Das Terroir scheint auch dieser Rebe zu passen.

Der «TRE» 2019 reift noch in den Barriques. Er wird zusammen mit dem Chamboursin 2017, der noch etwas mehr Zeit braucht, voraussichtlich im Sommer abgefüllt.

Leider haben die Bundesmassnahmen zu Eindämmung der Grippe das gesamte Wirtschaftsleben vor allem hier im Tessin lahmgelegt. In der Gastronomie geht gar nichts mehr. Auch die jährliche Weinprämierung in Zürich wurde abgesagt, der «Mondial du Merlot» in den Herbst verschoben und vom «Grand Prix du Vin Suisse» habe ich noch gar nichts gehört. Schade, es war für mich immer ein Höhepunkt des Jahres, von den Auszeichnungen meiner Weine meist positiv überrascht zu werden.

Auch die Tage der «Offenen Weinkeller», die dieses Jahr im Juni hätten stattfinden sollen, wurden vorerst einmal provisorisch in den August verschoben.

Nun, ich hoffe auf eine Wende zum Guten. Und dass ich meine Weine weiterhin über die privaten Kontakte verkaufen kann. Gibt es denn etwas Schöneres als einen Frühlingsabend im Wohnzimmer, auf der Terrasse oder im Garten bei einem guten Glas Wein?

Herzlich
Beat

«DUE» 2016 – Best of Tessin Rot

Mit Freude und Genugtuung erfüllt mich die Tatsache, dass mein «DUE» 2016 an der 26. Internationalen Weinprämierung Zürich (IWPZ) nicht nur mit Gold ausgezeichnet wurde (wie auch der «UNO Barrique» 2016), sondern zum besten Rotwein aus dem Tessin gekürt wurde! Und das gute Ergebnis wurde mit dem Silberdiplom (88.4 Punkte) für den einfachen «UNO» 2016 abgerundet.

Nun neigt sich der Sommer dem Ende zu. Ein nasser Monat August liess die Reben nochmals kräftig wachsen, fast gleichzeitig mit dem Farbumschlag. Der September müsste nun dringend sonnig und trocken werden. Der viele Regen in der Phase der beginnenden Reife lässt ungute Erinnerungen an das Jahr 2014 wach werden. Damals gab es fast genau gleich viel Niederschlag im August und es war das erste schlimme Jahr mit Befall durch die Kirschessigfliege (KEF).

Trockene und warme Septembertage können das noch verhindern. Hoffen wir das Beste.

Herzlich
Beat